Von alten Geschichten zehren
In der diesjährigen Wiborada-Rede blickt Moni Egger zurück auf ihre Arbeit an einer Erzählfassung zur älteren Vita Sanctae Wiboradae. Zwischen der ersten, ziemlich abschreckenden Begegnung mit der Legende und der jetzigen innigen Verbundenheit mit Wiborada liegen vielen Stunden intensiver Beschäftigung, viele Bücher, viel Phantasiearbeit. So wuchs aus der frühmittelalterlichen Heiligenlegende eine zeitlose Frauengeschichte, die unerwartet aktuelle Fragestellungen aufweist: Reizüberflutung, Grenzen finden, Grenzen anerkennen, Selbstbestimmung, Krisenbewältigung, eigenen Raum haben, Zuwendung zur Welt und doch bei-sich-Bleiben.
Für die Erzählerin wurde Wiborada seither zu einer wichtigen Begleiterin. Dazu war es nötig, dass Moni Egger ihre Scheu vor der fremden, frommen Sprache und Weltsicht ablegte und im darunterliegenden Kern viel Eigenes entdeckte. Beim Erzählen steht sie vor der Herausforderung, das Fremde fremd sein zu lassen und es trotzdem so weit zu eigen zu machen, dass Wiborada als Figur für heutige Menschen lebendig und verstehbar wird – und dabei trotzdem rätselhaft bleiben darf.
Moni Egger, Dr. Theol., ist Bibelwissenschaftlerin, Dozentin für Biblisches Hebräisch an der Universität Luzern sowie für Märchen und Symbolik an Fachschule für Figurenspieltherapie Olten und erzählend unterwegs mit Märchen, Legenden und biblischen Geschichten.
Tickets (20.-) unter: Wiborada-Rede mit Moni Egger




